Am Montag, 4. 7. 2011 fand die Veranstaltung „Psychisch krank kann jeder werden!“ der Heidelberger Initiative Psychiatrie Erfahrener (HEIPER) im „Forum am Park“ in der Heidelberger Poststraße statt.
Obwohl sich in der RNZ nur eine Kurznachricht befunden hatte, war der Saal an diesem Abend voll besetzt und nicht wenige Besucher lauschten bei offener Tür von draußen dem Geschehen.
Sehr beeindruckt war das Publikum von Margret Osterfeld, die als Psychiaterin vor zehn Jahren selbst psychisch erkrankte und damals die Psychiatrie mit allen „Schrecknissen“ wie Zwangsbehandlung- und Medikation am eigenen Leib erfahren musste. Selbstverständlich prägen solche Erfahrungen und Frau Osterfeld nutzte diese, um bei ihrer weiteren Arbeit als Psychiaterin andere Wege einzuschlagen.
Prof. Dr. Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin der Heidelberger Allgemeinen Psychiatrie und Dr. Markus Schwarz, Chefarzt am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden, betonten den Wandel, der sich in deutschen Kliniken vollzogen hat. Trotzdem sei im Einzelfall die Gabe von Psychopharmaka, besonders im akuten psychotischen Erleben sowie in der Krisenintervention und zur Vorbeugung notwendig.
Die beiden Referenten begrüßten den mittlerweile regelmäßigen Trialog, d.h. die Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit Betroffenen und Angehörigen. Aus dem Publikum wurde der Wunsch nach Gründung weiterer Eltern – Selbsthilfegruppen im Rahmen des klinischen Geschehens geäußert, dem Prof. Herpertz gerne entsprechen möchte.
Sehr eindrucksvoll auch die Ausführungen von Birgit Hanpft vom diakonischen Werk Heidelberg, Leiterin der Ambulanten Psychiatrie, die schilderte, wie wichtig außerklinische Einrichtungen, z. B. die Tagesstätte für Psychisch Kranke, sowie vielfältige Beratungsangebote seien, um stationären Aufenthalten vorzubeugen und Tagesstrukturen anzubieten.
Einen Glanzpunkt des Abends bildete Professor Helm Stierlin, Psychoanalytiker und systemischer Familientherapeut, der das Publikum einmal mehr an seinem wertvollen Erfahrungsschatz im Umgang mit Menschen in Krisensituationen teilhaben ließ.
Sensibel und zielsicher führte Barbara Rossner, Leiterin des Heidelberger Psychose- Seminars durch die Veranstaltung und gerade ihr zollt die HEIPER besonderen Dank.
Die rege Teilnahme und das Interesse an der Thematik des Abends zeigen, wie wichtig Aufklärung über psychische Krankheiten und persönliche Störungsmuster ist, nicht zuletzt um Stigmatisierungen und Vorurteilen in der Bevölkerung wirkungsvoll zu begegnen.
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